Heike Henning, Univ.-Prof.in Dr.in

Musikpädagogik (Studienfächer IGP und IME)

Visitenkarte Mozarteum
ORCid
Aktuelle Forschungsschwerpunkte: chorpädagogische Forschung – musikdidaktische Entwicklungsforschung insbesondere in inklusiven, interkulturellen, musikgeragogischen und konzertpädagogischen Settings

Forschungsprojekte

Digitale Chorpraxis – Kulturelle Teilhabe im Kontext virtueller (T)Räume
Laufzeit 01.09.2022-31.08.2024

Aufgrund von Maßnahmen zur Eindämmung der COVID-19 Pandemie waren Chöre gezwungen, ihre physische Probentätigkeit zu unterbrechen. Ins «Home Office» verbannt, begannen einige Chöre, Online-Proben mithilfe von Videokonferenzsystemen durchzuführen. Die Erfahrungen aus der Pandemie zeigen, dass Online-Proben grundsätzlich funktionieren. Jedoch gibt es einerseits noch immer viele Einschränkungen, die das gemeinsame Singen und das Erlebnis gemeinsamen Singens im virtuellen Raum beeinträchtigen, andererseits waren bei weitem nicht alle Chöre in der Lage, Online-Proben durchzuführen.
Das geplante Forschungsprojekt beschäftigt sich mit der Frage, wie Chorproben im virtuellen Raum mithilfe digitaler Werkzeuge durchgeführt werden können. Im Rahmen des Projekts werden technologische Lösungen, chorpädagogische Ansätze sowie Empfehlungen zur Steigerung von Technologieakzeptanz und Förderung sozialer Interaktion erarbeitet. Diese können auf die Bedürfnisse unterschiedlicher Chöre angepasst werden.
Das Forschungsprojekt gliedert sich in drei Arbeitspakete. Zunächst erfolgt eine Erhebung des Ist-Zustands von Online-Chorproben aus technologischer, chorpädagogischer und soziotechnischer Sicht. Darauf aufbauend werden die genannten Konzepte und Empfehlungen erarbeitet. Diese werden in einem dritten Schritt im Rahmen von Online-Chorproben und Online-Konzerten mit einem Laborchor umgesetzt, evaluiert und verfeinert.

Henning, H., Hacker, J. & Litvinova, Y. (2022). „Kulturelle Teilhabe im Kontext virtueller (T)Räume“. Vortrag bei der Langen Nacht der Forschung in Innsbruck.
Henning, H., Hacker, J. & Litvinova, Y. (2022). „Kulturelle Teilhabe im Kontext virtueller (T)Räume“. Vortrag im Rahmen der IFO in Innsbruck.

Metronomstudien            
Laufzeit: Frühling 2020 – aktuell

Studie 1: Innere Temporepräsentationen

In dieser Studie wurden Tempovorstellungen zweier Stücke (Stayin‘ Alive von den Bee Gees und Air von Bach) an fünf Messzeitpunkten im Abstand von drei Tagen untersucht.  Ziel des Forschungsprojekts war es, die Stabilität und Genauigkeit des Tempogedächtnisses bei Musiker*innen und Nicht-Musiker*innen zu erforschen. Zudem wurde untersucht, ob körperliche Entspannung und Aktivierung eine Veränderung der Tempovorstellungen bewirken. Tempovorstellungen wurden durch gleichmäßiges Tippen auf ein Feld gemessen.

An der Studie nahmen 63 Nicht-Musiker*innen (definiert als jene Personen, welche nicht Musik studieren oder studiert haben) und 55 Musiker*innen teil.
Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass Personen in der Lage sind, Musikstücke sehr akkurat und stabil wiederzugeben. Verglichen mit Nicht-Musiker*innen konnten Musiker*innen das Tempo beider Musikstücke im Durchschnitt korrekter wiedergeben und schwankten weniger in ihren Tempoangaben. Auffällig war, dass beide Gruppen das Tempo von Stayin‘ Alive akkurater wiedergeben konnten als das Tempo von Air. Dies könnte mit den unterschiedlichen Tempi der Stücke erklärt werden, oder auch damit, dass es für das Pop-Stück ein klares Originaltempo gibt, während beim Stück Air verschiedene Interpretationen bestehen. Die Hypothesen zu einem Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivierung/Entspannung (in Form von Sport und Meditation) und den Tempovorstellungen konnten nicht bestätigt werden. Allerdings zeigte sich, dass synchrone Begleitmechanismen (z.B. sich im Takt bewegen, mit dem Fuß mitklopfen) und gleichzeitiges Mitsingen sowie eine größere musikalische Wahrnehmungsfähigkeit zu genaueren Tempoangaben führen.

Studie 2: Temporepräsentationen beim praktischen Musizieren

Bei dieser Studie handelt es sich um eine konzeptionelle Replikation von Studie 1, wobei musikalische Tempi dieses Mal durch praktisches Musizieren gemessen wurden. Zu Beginn der Studie wählten die teilnehmenden 35 professionellen Musiker*innen (Personen, die Musik studieren oder studiert haben) und 26 Amateurmusiker*innen (Personen, die nicht Musik studieren, aber ein Instrument spielen oder singen) selbst ein Musikstück für die Studie aus. Von diesem wurden an fünf Messzeitpunkten im Abstand von drei Tagen Audioaufnahmen eingeschickt, wobei versucht werden sollte, das selbstgewählte Zieltempo so gut wie möglich zu treffen. Wie in Studie 1 wurde der Einfluss von synchronen Begleitmechanismen, körperlicher Entspannung/Aktivierung sowie musikalischer Wahrnehmungsfähigkeit untersucht.

Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass das musikalische Tempogedächtnis beim Musizieren höher und akkurater ist, als wenn das Tempo nur getippt wird (Studie 1). Allerdings zeigten sich hier keine Unterschiede zwischen professionellen- und Amateurmusiker*innen; professionelle Musiker*innen neigten sogar dazu, die Tempi ungenauer zu reproduzieren. Dies könnte mit der hohen expressiven Bedeutung von musikalischer Tempowahl erklärt und in weiteren Studien genauer untersucht werden. Wie auch in der ersten Studie gab es keinen Zusammenhang zwischen den gewählten musikalischen Tempi und körperlicher Entspannung oder Aktivierung.

Insgesamt weisen Studie 1 und Studie 2 also darauf hin, dass musikalische Tempi sehr akkurat und stabil erinnert werden und externe Einflüsse wenig Einfluss zeigen. Die Rolle von musikalischer Expertise scheint je nach Reproduktionsstrategie zu variieren und sollte noch genauer untersucht werden.

Studie 3: Musikalische Tempovorstellungen bei Pop-Stücken

In Studie 3 wurde der Frage nachgegangen, ob die Akkuratheit des musikalischen Tempogedächtnisses vom Zieltempo eines Stückes abhängt. Dafür wurden in einer Vorstudie 19 bekannte Pop-Stücke ausgewählt, welche eine große Spanne von Tempi abdecken (53 – 169 Bpm). Diese wurden dann in eine Online-Studie eingebunden, wo zunächst aus allen Stücken jene ausgewählt wurden, welche der teilnehmenden Person bekannt sind. Anschließend wurde für jedes Stück zwei Mal eine Tempovorstellung berichtet: Zunächst wurde, wie in Studie 1, durch regelmäßiges Klicken auf eine Applikation eine Tempovorstellung ermittelt. Anschließend wurde das Musikstück im geklickten Tempo abgespielt und das Tempo der Audiospur wurde (wenn gewünscht) weiter angepasst. An dieser Studie nahmen 402 Personen teil, davon 104 Nicht-Musiker*innen, 137 Amateurmusiker*innen und 161 professionelle Musiker*innen.

Vorläufige Ergebnisse zeigen, dass die reproduzierten Tempi genauer sind, wenn die Audiospur angepasst, als wenn die Tempi geklickt werden. Zudem stieg mit der musikalischen Expertise auch die Akkuratheit. Nicht-Musiker*innen zeigten also die geringste Genauigkeit der Tempi, gefolgt von Amateurmusiker*innen und professionellen Musiker*innen. Darüber hinaus bestand eine Interaktion zwischen musikalischem Status und Reproduktionsmethode, welche darauf hinweist, dass Personen mit weniger musikalischen Erfahrungen mehr davon profitieren, wenn sie die Audiospuren anpassen können.

Interessanterweise bestand ein umgekehrt U-förmiger Zusammenhang zwischen dem Tempo des Musikstückes und der Akkuratheit: Stücke rund um 100 Bpm wurden am akkuratesten wiedergegeben, schnellere und langsamere Tempi wurden weniger akkurat erinnert.

Henning, H., Vigl, J., & Gerstgrasser, S. (2020). The Inner Metronome. Einreichung im Rahmen der Research Competition Mozarteum (RCM), prämiert mit dem zweiten Preis.
Vigl, J., Gerstgrasser, S., Talamini, F., & Henning, H. (2022). Feel the Beat: Stabilität und Genauigkeit musikalischer Tempovorstellungen. Poster-Präsentation im Rahmen der langen Nacht der Forschung in Innsbruck.
Vigl, J., Gerstgrasser, S., Talamini, F., & Henning, H. (2022). Accuracy and stability of musical tempo memory and the role of music expertise. Manuscript submitted to Music Perception.

Leistungsorientierung im Instrumental- und Gesangsunterricht
Laufzeit: aktuell

In einem aktuellen Forschungsprojekt soll Leistungsorientierung im Musikschulunterricht untersucht werden. Da es bislang noch keine validierten Skalen dazu gibt, wie stark die Leistungsorientierung bei (Musikschul-)Lehrpersonen ausgeprägt ist, wird aktuell ein entsprechender Fragebogen entwickelt. Dieser wird aus zwei Subskalen bestehen: Die selbstbezogene Leistungsorientierung, also wie wichtig Leistung im eigenen musikalischen Handeln ist und die Leistungsorientierung im Unterricht, bei der es um Einstellungen und Handlungen im Unterrichtskontext geht.

Um die einzelnen Items des neuen Fragebogens auf Verständlichkeit und interne Konsistenz zu überprüfen, wird er zunächst an interessierte Studierende und Lehrpersonen versendet und anschließend eine Itemreduktion vorgenommen. Daraufhin soll der der Fragebogen mit bereits entwickelten Skalen beispielsweise zu Perfektionismus, zur Leistungsmotivation und zur Gewissenhaftigkeit validiert werden und eine Aussage darüber getroffen werden, wie stark Leistungsorientierung bei Musikschullehrenden im deutschsprachigen Raum ausgeprägt ist und ob sie mit (Berufs-)Zufriedenheit zusammenhängt.